Tipps für Eltern von Kindern mit besonderen Bedürfnissen 3

Im ersten Teil dieser Serie haben wir besprochen wie wichtig es ist mit dem System zu gehen anstatt gegen es zu kämpfen und wie das Kind über seine Körpermitte seine Peripherie erforscht.

Im zweiten ging es darum herauszufinden wie wir das Kind da abholen wo es steht und haben festgestellt was Variation für das Gehirn bedeutet.

Wir Erwachsenen können aber noch so viele Ideen davon haben was das Kind lernen sollte, wenn das Kind keine Bedeutung darin sieht, werden dadurch keine Lernprozesse stattfinden können. Darum widmet sich diese Ausgabe dem Selbstgesteuerten Lernen.

 

Selbst gesteuertes Lernen vs. Belohnung und Bestrafung

Ein Kind lernt dann, wenn es tut was bedeutsam für es ist. Dann ist es begeistert bei der Sache. Die emotionalen Zentren im Gehirn sind aktiviert. Das Gehirn ist in diesem Modus maximal Leistungsfähig, es saugt Informationen auf wie ein Schwamm.

Bleiben die emotionalen Zentren aus (wie z.B. beim auswendig Lernen eines für das Kind sinnlosen Textes) bleibt im Gehirn auch nichts hängen. Man merkt einem Kind sofort an in welchem der beiden Modi es sich gerade befindet.

 

Auch mit Belohnung und Bestrafung können wir die emotionalen Zentren eines Kindes erreichen. Diese Form der Motivation ist jedoch minderwertig weil sie nicht vom Kind selbst kommt. Auch Noten, Lob und Tadel gehören zu dieser Form der Motivation. Das Kind lernt dann nicht aus eigenem Interesse sondern weil es gute Noten haben will, vor der Klasse oder dem Lehrer gut dastehen will etc. Dies hat die Folge, dass viele von uns im späteren Leben wieder neu lernen müssen sich selbst zu motivieren.

Von äußeren Motivatoren abhängig zu sein ist frustrierend. Vielleicht kennt der Eine oder Andere Aktivitäten die er immer aufschiebt bis der äußere Druck so enorm ist, dass er nicht mehr widerstehen kann. Wäre es nicht schöner durch eigene Motivation aktiv zu werden?

Wir haben die Chance unserem Kinder von Anfang an die Möglichkeit zu geben selbstgesteuert zu lernen und es dabei zu unterstützen seine Motivation zu entwickeln. Dafür müssen wir nichts von außen in das Kind geben. Alles ist bereits im Kind vorhanden. Wir müssen ihm nur die Möglichkeit geben sich zu entfalten. Das können wir tun in dem wir uns für es und für seine Entwicklung begeistern.

Studien von Emmi Pikkler und anderen zeigen, dass Kinder die sitzen, stehen, gehen usw. "beigebracht" bekommen, sich schlechter entwickeln als solche die den Raum bekommen selbst herauszufinden wie das geht.

Es gibt auch Kinder bei denen sich diese Schritte auf Grund von verschiedenen Herausforderungen nicht "von selbst" vollziehen. Auch bei diesen macht es keinen Sinn ihnen beizubringen sich zu drehen, zu sitzen oder was auch immer sie sonst nicht tun. Ich würde mir vielmehr Gedanken dazu machen welche Informationen das Kind wohl braucht damit sein Nervensystem die Lösung selbstständig entdeckt, wie z.B. hier am Beispiel Jannik zu sehen. Die Bewegungsanbebote seitens der Eltern können dann dem entsprechend gegeben werden. Dies ist der Ansatz von NeuroScanBalance. Mehr Ideen dazu können Sie in den ersten beiden Teilen (Teil 1, Teil 2) dieser Reihe finden. 

 

Wenn wir uns die Zeit nehmen wirklich mit unserem Kind zusammen zu sein, nicht halb am Handy oder Computer und halb beim Kind, werden wir großartiges zusammen entdecken. Wir müssen dem Kind nicht bei jeder versuchten Handlung die Lösung bieten. Wenn wir für einen sicheren Rahmen sorgen, werden sie meistens selber die besten Lösungen finden. Wenn das Kind neues dazu lernt, freuen wir uns natürlich mit ihm. Wir müssen es nicht überschwellig loben, das Erfolgserlebnis reicht für das Kind völlig aus.

Natürlich müssen wir im Alltag auch immer wieder Dinge erledigen während unsere Kinder in der Nähe sind. Dann ist es manchmal gut sich ein Paar Minuten ganz den Kindern und dann wieder der Arbeit zu widmen, anstatt über längere Zeit beides nur halb zu tun.

Wenn wir das Kind passiv bewegen, ist es wichtig, dass wir dabei sanft bleiben und uns nicht über seine Grenzen hinweg bewegen. Siehe dazu den ersten Teil der Tipps für Eltern.

Video: Gerald Hüther - Wie Lernen am besten gelingt:

 

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