Struktur und Steuerung

In der orthopädischen Medizin und dem Großteil der verbreiteten physiotherapeutischen Methoden stehen Manipulation der Struktur – also Knochen, Muskulatur usw. - im Vordergrund. So wird z.B. versucht mehr Beweglichkeit durch Dehnen von Muskulatur oder von Gelenkkapseln zu erreichen. Dabei wird die Bedeutung des zentralen Nervensystems oft falsch eingeschätzt oder sogar ignoriert. Das ZNS steuert unsere Muskulatur, organisiert damit wie sich unsere Knochen einander zuordnen,  sich in der Schwerkraft positionieren und wie sie Kräfte übertragen, auf diese weise bestimmt es auch wie beweglich wir sind und wie viel Kraft wir haben. 

Auf der Großhirnrinde gibt es eine topographische Karte unseres Körpers (Homunkulus genannt), diese ist nicht festgelegt sondern ändert sich mit jeder Erfahrung. Ein neugeborenes Baby kann fast nur Mund und Augen willkürlich bewegen, was zur Nahrungsaufnahme nötig ist, für andere Handlungen muss es weitere Informationen über den eigenen Körper sammeln. Auf seiner motorischen Karte sind Mund und Lippen sehr groß abgebildet während für die Muskulatur die Rumpf und Extremitäten willkürlich bewegt nur sehr wenig „Kartenmaterial“ vorhanden ist. Zwei Jahre später sieht die Karte ganz anders aus und dem entsprechend hat das Kind mehr Handlungsmöglichkeiten, es kann Arme und Beine bewusst einsetzen usw. Mittlerweile ist bekannt, dass sich diese Karte bis zum Tod ändert - zum positiven, wie zum negativen (z.B. durch Eintönigkeit, Traumata etc.).

Beweglichkeit, genau wie Kraft und Geschicklichkeit, sind das Ergebnis von Lernprozessen. Deshalb ist ein Verständnis von diesen der Schlüssel zur Verbesserung.

Wahres lernen ist ein natürlicher, spielerischer Prozess und hat nichts mit dem „Büffeln“ von Fakten in der Schule zu tun. Ein Kind lernt in den ersten Jahren des Lebens so unglaublich viel wie es durch „Pauken“ oder „Büffeln“ nie möglich wäre. Zu den Fähigkeiten die es erwirbt gehören das aufrechte Gehen und das verwenden einer (oder mehrerer) Sprache(n) um nur zwei der wichtigsten zu nennen. 

Und heute wissen wir, dass diese Lernfähigkeiten uns auch später im Leben noch zur Verfügung stehen. Den wissenschaftlichen Beweis dafür brachte unter anderem Michael Merzenich der in seinen Studien nachwies, dass sich das Gehirn in jedem Alter umstrukturiert, neue Synapsen (Verbindungen zwischen den Nervenzellen) und neue Nervenzellen bildet, die Frage ist wie und unter welchen Bedingungen.

Ein wichtiger Punkt ist die Begeisterung, sie ist der Motor des Lernens. Hinderlich ist Angst, weshalb lernen besser und freudvoller in sicheren Umgebungen und ohne Druck stattfindet. Über den Einsatz der Feinmotorik können Bewegungsvarianten angeboten werden die das lernen effizienterer Handlungsweisen begünstigen (Auch die Körperhaltung ist eine Handlung).

Neun hilfreiche Punkte hat Anat Baniel in ihrem Buch Move into Life“, welches bisher nicht auf Deutsch erschienen ist, ausgearbeitet.

Ich hoffe euch in den nächsten Jahren ein Buch von meiner Lehrerin und NeuroScanBalance Entwicklerin Kerstin Schmitz, welche funktionelle Zusammenhänge besser versteht als jede andere die ich kenne, vorstellen zu können.

Auch in diesem Blog werdet ihr in Zukunft regelmäßig zum Thema erfahren.

 

Passend dazu auch meine Seiten zu NSB in der Orthopädie, NSB für Kinder und Wie wir unseren Kopf tragen

 

Über die anhaltende Lernfähigkeit (Plastizität) des Gehirns erfahrt ihr in Neustart im Kopf und The Brain's Way of Healing von Norman Doidge, wo ihr auch über die Studien von Michael Merzenich erfahrt.

Die 9 Essenziellen Punkte der Anat Baniel Methode (ABM) sind hier zu finden.

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