Ein Ausschnitt aus meinem Leben

NeuroScanBalance Trainer und Physiotherapeut Daniel Lerch-Holz

Nach Matura und Zivildienst als Rettungssanitäter beim Roten Kreuz machte ich mich voller Enthusiasmus ans Studium der Physiotherapie. Während meiner Zeit an der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) mit Schwerpunkt Betriebsinformatik hatte ich festgestellt, dass die Arbeit am Computer auf die Dauer nicht erfüllend für mich ist und ich eigentlich lieber mit Menschen arbeite und sie dabei unterstützen möchte sich zu entfalten. Mir war  klar, dass ich mich dafür selber weiterentwickeln musste und die Ausbildung zum Physiotherapeut schien mir dafür ein geeigneter Schritt.

Ich lernte in der Ausbildung viel Interessantes. Einige Dinge, so schien es mir, hatten aber nur eingeschränkt Sinn. Damals dachte ich mir, das liege an meinem unvollständigen Wissen. Fragen die sich mir  stellten, waren unter anderem: Hat es wirklich Sinn mit jemandem Krafttraining zu machen, der schon von seinem Alltag an die Grenzen seiner Kraft gebracht wird? Und kann so jemand durch viele Wiederholungen von Übungen Besserung erfahren? Wird seine Ausführung nach dem tausendsten Mal plötzlich besser sein? Ist es nicht wahrscheinlicher, dass seine Handlungsmuster (die zu seinem Problem geführt haben) sich dadurch noch mehr verfestigen?

Gibt es so etwas wie die "richtige" Art zu stehen, zu gehen oder zu atmen, wie es in den Lehrbüchern steht und wie es mit den Patienten in den Kliniken geübt wird? Oder erfordern unterschiedliche Situationen jeweils eine Anpassung? Mir kam es manchmal so vor, dass das wiederholte Einüben von "richtigen" Mustern oft zu neuen Zwängen und zu einer Unfähigkeit, in veränderten Situationen klarzukommen, führt.

Kerstin Schmitz - Entwicklerin von NeuroScanBalance
Kerstin Schmitz - Entwicklerin von NeuroScanBalance

Nach dem ersten Jahr hatten sich mehr Fragen aufgetan, als ich Antworten in der Ausbildung erhielt und zu eben jener Zeit traf ich auch immer wieder auf Kerstin Schmitz, die ich bei Freunden kennen gelernt hatte. Sie sah wohl, dass ich oft sehr unbequem saß und stand und bewegte nur beiläufig, als wir beisammen saßen, sanft und langsam meine Schulter und andere Knochen. Zu meiner Verwunderung fühlte ich mich nach diesen kleinen und unscheinbaren Bewegungsvarianten besser und beweglicher. Beeindruckt begann ich damit, ihr Fragen zu stellen. Ihre Antworten hatten Sinn und so war der Anfang eines bis jetzt und hoffentlich noch lange andauernden Entwicklungsprozesses gemacht. 

Beim ersten Wochenend-Workshop, den ich bei ihr besuchte, konnte ich zum ersten Mal meine Arme für längere Zeit bequem und ohne Schmerzen heben, wie es mir beim jahrelangen Kampfsport-Training davor trotz viel Übung (und im Vergleich zu manchen zarten Kolleginnen mit schmaleren Schultern, die das problemlos konnten) nie möglich gewesen war. Mehrere Jahre Training hatten nicht gebracht, was ich mit Hilfe von Kerstin Schmitz NeuroScanBalance an einem Wochenende schaffte. Die Besserung geschah durch eine Änderung der Konfiguration meines Brustkorbes, wie mein Nervensystem sie nach den im Workshop angebotenen Bewegungen natürlich fand, ohne, dass ich mich darauf hätte konzentrieren müssen. Es fühlte sich einfach an, als wären meine Arme plötzlich ganz leicht geworden. Tatsächlich waren sich Arm und der Rest des Körpers einfach einig, Beziehungen waren klarer geworden; das Ergebnis fühlte sich gut an. 

All das war sehr aufregend für mich und stellte viel von dem bisher Gehörten und auch meinen weiteren Ausbildungsweg in Frage. Ich entschloss mich schließlich dazu, die Physiotherapieausbildung mit Staatsexamen abzuschließen. Was nicht zuletzt dank der Hilfe meiner netten Kollegen (insbesondere Silvia Naumann), die mich oft vor den Prüfungen brieften, auch gelang.

Ananda und Daniel Lerch-Holz
Ananda und Daniel Lerch-Holz

In der Zwischenzeit hatte ich auch meine heutige Frau, die bezaubernde Ananda, kennen gelernt, deren Leidenschaft für das Tanzen mir neue Impulse für Bewegung gab. Auch das gemeinsame Reisen regte unsere sich vernetzenden Hirne zum Lernen an.

Zu unserer großen Freude wurde 2013 unsere Tochter geboren, die unser Leben bereichert. Mein Verhältnis zu Kindern hat sich grundlegend verändert, ihre Entwicklung miterleben zu dürfen ist seit dem eine ständig Inspiration.

 

Nach Abschluss der Physiotherapieausbildung gab es noch ein Jahr Wartezeit bis zum Start des neuen Basistrainings in NeuroScanBalance. Ich überbrückte diese Zeit mit zwei Semestern Lehramtsstudium an der Universtität Innsbruck.

Im Jahr 2012 war es so weit: Ich startete in die NeuroScanBalance Trainer Ausbildung

 

Seit erfolgreichem Abschluss des Basistrainings setze ich NeuroScanBalance in meiner Physiotherapiepraxis ein und stelle mit Freude fest, dass auch meine Klienten oft in kurzer Zeit erreichen was sie davor Jahre vergeblich mit verschiedenen Therapieformen versuchten. 

Ein weiterer Meilenstein war die Kinder-Supervision mit Sylvia Leiner Shordike (einer Koryphäe in der Arbeit mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen aus den USA und Schülerin von Anat Baniel), mit der ich das NSB-Kindertraining abschloss. Für die Supervision waren Eltern mit ihren Kindern, die besondere Bedürfnisse haben (unter anderem mit verschiedenen Hirnschäden, Zerebralparese, Down-Syndrom...), aus allen Teilen Europas angereist. Unsere Aufgabe war es, die Gehirne dieser Kinder mit variantenreicher Bewegung zu füttern, die sie aufgrund ihrer Einschränkung bisher nicht erlebt hatten. Die Ergebnisse waren signifikant. Kinder mit vorher unkontrollierbaren Wutausbrüchen lernten, diese zu modulieren und konnten sie ab dem zweiten Kurstag ganz weglassen, andere lernten zum ersten Mal richtig auf ihren Beinen zu stehen, begannen ihre Fähigkeit zu sprechen zu entfalten etc. 

Ein Kind fordert während der Sitzung die Präsenz und Spontanität des Informanten. Wenn es ihm langweilig ist, bleibt es nicht einfach liegen wie die meisten Erwachsenen tun würden. Dies und die Anleitung von Sylvia sorgte für eine sehr konzentrierte freudvolle Atmosphäre. Das Gelernte bereichert nun auch meine Arbeit mit Erwachsenen.